«

»

Wellenreiten ohne Wasser und ohne Pferd

ahoi..

Jeder Musiker und auch jeder Musik hörende bedient sich eines Instrumentes. Dieses Instrument gibt es in aller Welt und es steht den meisten Menschen gratis zur Verfügung.

Obwohl es selbst keinen einzigen Ton erzeugt, macht doch unser Ohr die Wahrnehmung von Tönen erst möglich. Es soll das erste Sinnesorgan sein, dass in unserem Körper voll funktionsfähig ist und das letzte Sinnesorgan, das am Ende unseres Lebens ‚den Geist aufgibt‘. Dazu ist es ein Paradebeispiel für ständigen Wachstum, denn sofern es nicht gestört wird, wächst und entwickelt sich das Ohr bis an unser Lebensende immer weiter.

Offensichtlich geschieht dies aber nun nicht nach dem Expansionsprinzip, meine Ohren zum Beispiel, scheinen seit über zehn Jahren ungefähr gleich groß geblieben zu sein. Hab aber nicht gemessen. Sie haben bisher auch keine feindliche Übernahme gestartet, oder ihr Personal (also mich) entlassen um diese Wachstumsprognose erfüllen zu können.

Also, wie geht dieses ständige Wachstum?

Das Ohr bietet neben seiner äußerlichen Erscheinung auch einen komplexen Innenbereich, der der Messung und Erfassung von Veränderungen des Luftdrucks gewidmet ist. Ohne nun zu sehr auf die biologische Betrachtung dessen einzugehen, kann man beobachten, daß zum Erfassen von lauten und/oder tiefen Tönen gröbere Strukturen dienen, als zum Erfassen von leisen und/oder höheren Tönen, die eine feinere Struktur benötigen. Dies rührt daher, dass laute und tiefe Vibrationen stärkere Luftdruckschwankungen erzeugen, als leise und hohe Töne.

Wenn das Ohr nun bis an unser Lebensende wächst und dabei nicht ständig größer wird, ist zu vermuten, dass dieses Wachstum nach innen gerichtet geschieht. Dies scheint auch der Fall zu sein, denn das Ohr entwickelt sein Innenleben beständig in Richtung immer feinerer Strukturen. Es scheint also bestrebt zu sein, immer leisere und höhere Töne wahrnehmen zu können.

Und wann surfen wir nun?

Zumindest jede und jeder Hörende können in diesem Sinne gar nicht ‚nicht surfen‘, da wir und unsere Ohren ja ständig mit Schallwellen konfrontiert werden. Sogar Stille ist ja immer anders, also durch ‚hörbare‘ Unterschiede gekennzeichnet.

Der bekannte Komponist John Cage wurde mal eingeladen, eine  vollkommen absorbierdende schallisolierte Kammer zu besuchen und soll enttäuscht gewesen sein, da er dort trotzdem ein hohes und ein tiefes Geräusch wahrnahm.

Es wurde erklärt, das die beiden Klänge, die selbst in einer vollständig  schallschluckenden Kammer wahrnehmbar sind, dem menschlichen Organismus innewohnen. Das Geräusch das als tiefer empfunden wird, hat seinen Ursprung in der Zirkulation des Blutes durch unseren Körper, während das höhere Summen der Klang unseres Nervensystems ist. Daher sagt man wohl auch bei nervlicher Überlastung: „Mir pfeift der Schädel.“

schalltoter Raum

Zu dieser Thematik möchte ich euch folgende Empfehlung unterbreiten:

Der deutsche Jazzmusiker und Klangforscher Joachim Ernst Berendt hat eine mehrteilige Abhandlung über die Welt des Klangs und des Hörens verfasst, die sowohl in Form von Radiosendungen zum anhören, als auch in Buchform zum nachlesen erschienen sind. Er bietet eine sehr umfassende und spannende Reise durch eine Vielzahl von kulturellen und wissenschaftlichen Betrachtungen zu allerlei wundersamen Phänomenen und Aspekten des Hörens.

Meine Empfehlungen zu Joachim Ernst Berendt:
Die Welt ist Klang − Nada Brahma (Zweitausendeins)
Vom Hören der Welt − Das Ohr ist der Weg (Zweitausendeins)
Muscheln in meinem Ohr – Variationen über das Hören (Auditorium Netzwerk)

Eine Soundcollage, aus Hörbeispielen aus Berendts Hörbuch „Das Ohr ist der Weg“

Das ganze kann man sich auch bestellen, z.b. hier:
http://www.discogs.com/artist/319931-Joachim-Ernst-Berendt

Oder aber, ihr fragt Freunde bzw. schaut im Netz nach, ob ihr mal reinhören könnt.

In diesem Sinne, viel Spaß beim Klangtauchen…

peaceout

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://klangtaucher.net/2014/02/klangkoerper-wellenreiten-ohne-wasser-und-ohne-pferd/

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>