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Klangkörper: Wie gefährlich sind Explosiv-Aerophone?

Ahoi…

Wer geht ran, wenn das Aerophon klingelt? Oder ist es, wenn es klingelt, nicht doch das Idiophon? Und warum in aller Welt, sollte es explodieren?

Nun, zugegebenermaßen sollte ein Aerophon tatsächlich nicht explodieren, zumindest nicht bei ordnungsgemäßer Benutzung. Denn der Begriff Aerophon bezeichnet schlicht und einfach die Art von Musikinstrumenten, bei denen der Klang dadurch entsteht, dass Luft direkt zum Schwingen gebracht wird.

Bekannte Vertreter dieser Instrumentengattung sind zum Beispiel Orgelpfeifen und Flöten (Ablenkungs-Aerophone: der Luftstrom wird geteilt um Klang zu erzeugen), aber auch die Klarinette und die Trompete (Unterbrechungs-Aerophone: der Luftstrom wird regelmäßig unterbrochen um Klang zu erzeugen, z.B. durch das Blatt an der Klarinette, oder die Lippen bei der Trompete). Auch das unbedarfte „Vor-Sich-Hin-Pfeifen“ macht den eigenen Körper zum Aerophon, ganz ohne Explosionsgefahr.

 

Also ist’s wohl ein Aerophon wenn es pfeift… Und was ist, wenn’s klingelt?

Instrumente, bei denen der Klang dadurch entsteht, dass der Klangkörper selbst  zum Schwingen gebracht wird, ohne Membran oder Saiten, bezeichnet man als Idiophone.

Sie treten in Erscheinung als Rasseln und Shaker (Schüttelidiophone), als Kastagnetten, Claves und Zimbeln (Gegenschlagidiophone), exotisch als „Ratschgurke“ bzw. Güiro und Güira (Schrapidiophone), oder auch als „singende Gläser“ oder Glasharfe (Reibidiophone). Am eindrücklichsten sind hier aber wohl Glocken, Becken und der Gong (Schlagidiophone), in diese Gruppe lässt sich auch das Hang einordnen, welches hier bei Klangtaucher bereits in einem Arikel erwähnt wurde.

 

Klingelt es nun, dann ist es wohl ein Idiophon… Explosions-Alarm?

Das Ziel der bisherigen Ausführungen ist auf der Abbildung am Anfang des Artikels zu sehen. Es sieht aus wie eine Blumenvase, die ihren Zweck nicht erfüllen wird, da sie ein Loch zuviel hat. Könnte auch der Versuch sein, eine Rohrbombe zu töpfern. Ist aber letztendlich ein weiteres Musikinstrument, welches sowohl ein Aerophon als auch ein Idiophon ist.

Das abgebildete Instrument hört auf den Namen „Udu (-Drum)“ und stammt ursprünglich aus Nigeria. Der Name „Udu“ bedeutet „Krug“ in der Sprache der Igbo, welche in dem Klang dieser Trommel die Stimmen ihrer Ahnen hören. Sie ist meist aus Ton gefertigt, wird mit den Händen gespielt und erzeugt perkussive Klänge, die einen idiophonen Charakter haben, wenn man mit den Fingerspitzen auf ihre Oberfläche schlägt. Benutzt man allerdings die ganze Handfläche, und trifft mit ihr eines der beiden Löcher (am Bauch oder Hals des Instrumentes) während die andere Öffnung (ganz oder teilweise) frei bleibt, dann entsteht ein tiefer bauchiger Klang, der dem Bassklang einer Tabla ähnelt.

Bei dieser Spielweise fungiert die Udu als Explosiv-Aerophon… Boom…

Während eines  Schlages mit der Handfläche auf das Loch wird die Luft einmalig so verdichtet, dass ihr Entweichen durch die andere Öffnung als Klang wahrgenommen wird.

Ähnlich verhält es sich auch beim „Hände-Klatschen“, bei dem die Hände als Freie-Ablenkungs-Aerophone fungieren, da die Luft nicht durch einen Instrumentenkorpus begrenzt wird.

 

Der Bereich der (Explosions-) Aerophonie eignet sich, wie auch der Bereich der Idiophonie, bestens für Feldforschungen in der eigenen Küche:

Man nehme hierzu einen Kaffeebecher, einen Krug oder irgendein Gefäß, bei dem die Öffnung nicht zu klein (Flaschenhals) oder zu groß (Kochtopf) für die eigne Hand ist. Dann nehme man eine flache Hand (als ob man in die Hände klatschen möchte) und schlage leicht (!) auf die Öffnung des Gefäßes, wobei man darauf achten muss, diese nicht vollständig zu bedecken. Man sollte das Gefäß der Wahl am besten mit der freien Hand festhalten, und leichte Schläge ausführen, damit alles heil bleibt. Unterschiedliche Gefäße und unterschiedliche Anschlagsarten erzeugen hierbei unterschiedliche Klänge. Und man könnte ja auch noch etwas Wasser in das Gefäß füllen, oder…

 

Viel Spaß beim Klangtauchen…

peaceout…

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